Teilzeit ist in der Logopädie der Normalfall, nicht die Ausnahme. Laut der dbl-Praxisumfrage 2024/2025 arbeiten mehr als die Hälfte aller angestellten Logopädinnen in Deutschland nicht in Vollzeit. Das liegt zum einen an Familienphase und Kinderbetreuung, zum anderen daran, dass viele schlicht nicht 38,5 Stunden pro Woche therapeutisch arbeiten wollen — der Beruf ist fordernd, und Teilzeit ist eine vernünftige Antwort darauf.

Dieser Artikel sortiert die gängigen Modelle und hilft dir einzuschätzen, welches zu welcher Lebensphase passt.

Die 4-Tage-Woche (ca. 32 Stunden)

Das Modell, das gerade am meisten diskutiert wird. Vier Arbeitstage à acht Stunden, ein freier Tag in der Woche. In der Praxis bedeutet das meistens: drei therapeutisch dichte Tage, ein Dokumentations- und Berichtstag, ein Tag frei.

Finanziell: Mit 32 Stunden statt 38,5 arbeitest du etwa 83 % einer Vollzeitstelle. Das Gehalt sinkt entsprechend — wer in Vollzeit 3.400 Euro brutto verdient, landet bei der 4-Tage-Woche bei rund 2.800 Euro. Das klingt nach viel Abzug, ist aber für viele Menschen der richtige Trade-off, wenn der freie Tag für Kinderbetreuung, Fortbildung oder Erholung genutzt wird.

Für Praxen ist das Modell organisierbar, wenn die Terminplanung konsequent aufgebaut ist. Wichtig ist, dass Patiententermine nicht über alle fünf Werktage verteilt sind — das würde den Sinn des Modells untergraben.

Mehr zum 4-Tage-Modell und was es für die Logopädie konkret bedeutet, findest du im Artikel 4-Tage-Woche in der Logopädie.

30-Stunden-Woche: die unauffällige Teilzeit

30 Stunden ist das Modell, das am wenigsten auffällt, aber am meisten gebracht wird. Es lässt sich auf viele Weisen verteilen: fünf Tage à sechs Stunden, vier Tage à 7,5 Stunden oder drei Tage Vollzeit plus zwei kurze Tage.

Finanziell entspricht das etwa 78 % einer Vollzeitstelle. In der Praxis: wer bei Vollzeit 3.400 Euro verdient, landet bei rund 2.650 Euro brutto.

Dieses Modell eignet sich gut für die mittlere Berufsphase: Du bist erfahren genug für komplexe Behandlungen, hast aber außerberufliche Verpflichtungen (Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Nebenberuf), die einen vollen Arbeitstag Puffer pro Woche erfordern.

20-Stunden-Woche: echte Teilzeit

Zwei volle Tage oder vier halbe Tage — 20 Stunden pro Woche sind die klassische Elternteilzeit nach der Elternzeit. Das entspricht etwa 52 % einer Vollzeitstelle und bringt entsprechend ca. 1.760 Euro brutto (bei einem Vollzeit-Referenzgehalt von 3.400 Euro).

Was viele unterschätzen: Bei 20 Stunden ist Patientenkontinuität schwerer aufrechtzuerhalten. Kinder mit SES brauchen idealerweise zwei Einheiten pro Woche — das ist mit 20 Stunden kaum für viele Patienten gleichzeitig umsetzbar. Gut funktioniert 20 Stunden in Settings, wo Einzeltermine wöchentlich stattfinden und weniger auf dichte Therapieserien angewiesen sind (z. B. leichtere phonologische Störungen, begleitende Beratung von Eltern).

Wer nach der Elternzeit in 20 Stunden einsteigt, plant häufig von vornherein eine Aufstockung auf 30 Stunden nach ein bis zwei Jahren. Das ist ein realistischer Fahrplan.

Welches Modell wann?

Hier eine grobe Orientierung — keine Formel, nur ein Ausgangspunkt:

Berufsstart (0–2 Jahre): Vollzeit oder 30 Stunden empfehlenswert. Die Lernkurve ist in den ersten zwei Jahren am steilsten. Wer zu früh zu wenig arbeitet, verpasst Behandlungserfahrung, die später schwer nachzuholen ist.

Familienphase mit Kleinkind: 20–30 Stunden. Die genaue Stundenanzahl hängt stark von der Kitasituation ab. Wichtig: Nicht mit zu wenig einsteigen, wenn die Stelle erhalten bleiben soll.

Mittlere Berufsphase (5–10 Jahre): 4-Tage-Woche oder 30 Stunden sind häufig der sweet spot. Genug therapeutische Intensität, um anspruchsvolle Fälle zu übernehmen, genug Puffer für Fortbildungen.

Nach einer Pause (z. B. längere Elternzeit): Langsamer Wiedereinstieg mit 20–25 Stunden ist sinnvoll, um den Rhythmus zurückzufinden — aber mit klarem Steigerungsplan.

Was du beim Gespräch mit dem Arbeitgeber beachten solltest

Viele Praxen bieten Teilzeit an, haben aber keine durchdachte Struktur dafür. Konkrete Fragen, die sich lohnen:

  • Werden die Therapiestunden gleichmäßig auf die Wochentage verteilt, oder musst du an deinen Tagen unverhältnismäßig viel “schleppen”?
  • Wird Dokumentationszeit anteilig eingerechnet, oder wird erwartet, dass du sie “nebenbei” machst?
  • Wie wird mit Ausfall umgegangen — bei dir und bei Kollegen?

Für den Gehaltsvergleich: Der Gehaltsrechner rechnet alle Arbeitszeitmodelle korrekt durch und zeigt dir, was bei deiner Stundenzahl, deiner Region und deinem Setting rauskommt.

Bilinguales Arbeiten und Teilzeit

Ein Detail, das relevant ist, wenn du zweisprachig therapierst: Bei wenigen Stunden pro Woche ist es schwieriger, ein bilinguales Patientenklientel aufzubauen, weil du für Anfragen weniger Kapazität hast. Wenn bilinguale Sprachtherapie ein Schwerpunkt sein soll, hilft mehr Stundenumfang — zumindest in der Phase, in der die Spezialisierung aufgebaut wird. Mehr dazu im Artikel über bilinguale Sprachtherapie.